Risiken und Chancen

Unser bestehendes Gesellschaftssystem ist nicht nachhaltig. Dass ein Fünftel der Menschheit über achtzig Prozent der weltweit verfügbaren Ressourcen verfügt, ist ein Machtanspruch, der sich nicht dauerhaft aufrechterhalten lässt. Einerseits ist die Überlebensfähigkeit durch die mangelnde Funktionsfähigkeit der Demokratien gefährdet - nicht nur durch ökonomische Machtkonzentration. Andererseits besteht die akute Gefahr, dass immer größere Teile der Ökosphäre sozial, wirtschaftlich und ökologisch kollabieren.

 

Die Finanzkrise und ihre bis heute erfahrbaren Folgen, eine von immer mehr Menschen empfundene Verteilungsungerechtigkeit in Verbindung mit sozialem Abstieg und Prekariat, langwierige militärische Konflikte in Regionen mit großer strategischer Bedeutung, deren terroristische Ausstrahlung in alle Welt, die Flüchtlingskrise und das zunehmende Aufkommen nationalistisch orientierter oder Protest-Wählergruppen, Europa- und Politikverdrossenheit, Sinnverlust usw. stellen heute große, offenbar im engen Zusammenhang stehende gesellschaftspolitische Herausforderungen dar.

 

Zugleich kommt eine immer stärker um sich greifende, quasi erst am Anfang stehende Digitalisierung und Robotisierung von Lebens- und Arbeitswelt auf uns zu. Wenn wir den Experten glauben wollen, werden diese in den nächsten Jahren und Jahrzehnten erhebliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Umbrüche nach sich ziehen. Einerseits sollen in einer unvorstellbaren Dimension Arbeitsplätze durch weitere Automatisierung und Roboter ersetzt werden. Andererseits bieten Peer-to-Peer-Technologien die Chance, wirtschaftliche Machtsituationen durch Dezentralisierung radikal zu zerstören. Aber welcher Voraussetzungen bedarf es, um diesen Prozess derart zu gestalten, damit nicht (neue) Ungerechtigkeiten und Machtkonstellationen auf lange Sicht zementiert werden?